Lebendige Logistik
Achtung: Logistik! Bei Experten vor OrtLogistik im TierreichLogistik-KarriereOlympische SpieleFußball-WM und Fußball-EM
 

Logistikwunder der Natur als Vorbild für Transportsysteme

Logistik Transportsysteme der Ameisen

Ameisen als Vorbild für komplexe Transportsysteme? So zumindest sieht die Vision einiger Logistiker aus, die Verzögerungen vor allem in Häfen verringern wollen.

Für eine solche Neustrukturierung spielt vor allem die Art und Weise, wie sich ein Ameisenvolk organisiert und wie es sich auf Veränderungen der Natur einstellt, eine große Rolle.

Dass Ameisen wahre Meister darin sind sich an neue Gegebenheiten in ihrer Natur anzupassen, haben australische Forscher in einem Experiment gezeigt. Dabei haben sie den Weg einer Ameisenkolonie zu ihrer Futterquelle durch ein dachartiges Hindernis versprerrt und beobachtet, wie sich die Ameisen auf diese Veränderung eingestellt haben. Erstaunlicherweise haben sie das Problem sehr schnell erkannt und die Blätter auf die richtige Größe zugeschnitten.

Auch wenn sich in einem Ameisenvolk jedes Individuum selbst organisiert, so kopieren alle Ameisen die Verhaltensweise eines Anderen, sofern dieses Verhalten zum erhofften Erfolg führt. Durch die geringere Futtermenge, die jede einzelne Ameise auf Grund des Hindernisses tragen konnte, bemerkten auch andere Ameisen, dass nun mehr Ameisen für den Transport nötig sind. 24 Stunden nach Beginn des Experimentes schnitten die Ameisen die Blätter sogar in eine Runde Form und konnten somit mehr Futter pro Gang transportieren. Diese erstaunliche Beobachtung legt nahe, dass Ameisen intelligenter sind, als bisher gedacht.

Wichtig in der Organisationsweise der Ameisen ist es, dass jede noch so kleine Intelligenz jedes einzelnen Tieres in eine Art „zentrale Intelligenz“ eingebracht wird, was sie auch sehr komplexe Probleme meistern lässt.

Diese dadurch entstehende Flexibilität des Systems versuchen heutzutage Forscher in die Welt der Logistik zu überführen. Forscher der Universität Twente orientieren sich eben an diesem Selbstorganisationsprinzip der Ameisen und versuchen es auf das Be- und Entladen von Schiffen zu übertragen. Dabei handelt es sich um eine Software, die sich nur auf die gerade anfallenden Aufgaben beschränkt.

Bei den heutzutage noch benutzten Systemen werden die Transportwege zentral gesteuert. Bei dem neuen „Ameisen-System“ hingegen wertet eine Software die von den Akteuren des Hafens eingegebenen Daten aus und sucht für jeden einzelnen die beste Option aus. Außerdem reagiert das neue Transportsystem besonders schnell und flexibel auf Verzögerungen von Teil-Lieferungen, was weitere Verzögerungen der Gesamt-Lieferung minimiert. Durch diese äußerst flexible Steuerung der Hafenaktivitäten wird ein effizienterer Ablauf garantiert, Wartezeiten und Lieferverzögerungen werden enorm verringert.

Hier die wichtigsten Bestandteile der „Ameisen-Logistik“, die sie so flexibel macht:

  • Nur aktuelle Geschehnisse werden berücksichtigt.
  • Den Lieferungen werden durch verschiedene Kriterien (wie z.B Anzahl fehlender Komponenten oder Verspätung) Prioritäten zugeordnet.
  • Auf Verzögerungen von Teil-Lieferungen wird flexibel eingegangen, wodurch nicht die gesamte Lieferung verspätet an ihrem Ziel ankommt und keine weiteren Verzögerungen auftreten.

Diese Errungenschaften der „Ameisen-Logistik“ machen sie derart flexibel, wodurch eine Pünktlichkeit von durchschnittlich 97 Prozent erreicht werden kann.

Auch wenn dieses System bis jetzt nur in der Simulation der Universität Twente stattfindet, so lässt der Erfolg dieses Programms für die Zukunft hoffen und zeigt, dass die hoch entwickelte Menschheit noch vieles von der Natur lernen kann.