Ein Vogelnest aus 42.000 Tonnen Stahl
Wenn man über die Olympischen Spiele redet, spricht man meist nur über die imposante Eröffnungsfeier, den Fackellauf, die sportlichen Wettkämpfe und die Medaillenvergabe. Doch vor allem Planung und Bau der neuen Sportstätten machen einen Großteil der Faszination im Vorfeld der Spiele aus. Beides beginnt bereits Jahre vor den eigentlichen Olympischen Spielen.
Durch die olympischen Sommerspiele 2008 in Peking ist auch China um einige großartige Bauwerke reicher geworden. Der wohl imposanteste Neubau Pekings ist das neue Olympiastadion. Das im Volksmund auch „Vogelnest“ genannte Stadion erhielt diesen Namen, da sein Außengerüst aus 42.000 Tonnen schweren Stahlträgern aufgebaut ist und stark der Form eines Vogelnestes ähnelt.
Das Design des Stadions war den Architekten besonders wichtig, da hier die Eröffnungsfeier stattfindet und es als zentraler Austragungsort der Olympischen Spiele besonders in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Somit stellt es das „Aushängeschild“ der Olympischen Sommerspiele 2008 dar, ähnlich wie die Allianz-Arena bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, deren Äußeres mit beleuchteten Luftkissen ebenfalls einmalig gestaltet wurde, was dem Fußballtempel den Spitznamen „Schlauchboot“ einbrachte.
Vor über fünf Jahren begannen bereits die Planungen für das Stadion, bei denen nicht nur das Design und die Funktionalität des Stadions berücksichtigt werden mussten, sondern auch Kostenberechnungen und Umwelteinflüsse wie Erdbeben, die in China eine besonders große Gefahr darstellen. Im Dezember 2003 wurde schließlich der erste Spatenstich gesetzt. Doch bereits sieben Monate später mussten die Arbeiten am „Vogelnest“ unterbrochen werden, da die Kosten enorm anstiegen und technische Probleme auftraten.
Herausforderung beim Bau des Vogelnests
Vor allem das ausfahrbare Dach stellte die Architekten vor große Herausforderungen. Da eine Fortsetzung des Baues zu enormen Kostenanstiegen geführt hätte, haben sich die Verantwortlichen schlichtweg dafür entscheiden das Dach wegzulassen, was die Kosten des Stadions um 160 Mio. Euro auf 240 Mio. Euro extrem verringerte. Gut für die Architekten, dass ein Verzicht des Daches keine schwerwiegenden Auswirkungen auf das markante Aussehen des Stadions hatte. Außerdem musste die äußere Stahlkonstruktion auf Grund von Spannungen durch Temperaturschwankungen vom Kern des Stadions getrennt werden.
Anfang 2008, über ein Jahr nach planmäßiger Vollendung des Stadions, wurde das „Vogelnest“ schließlich fertig gestellt und am 18. April offiziell eröffnet. Das vom chinesischen Chefdesigner Ai Weiwei als „fresh, natural“ und „pure“ bezeichnete Olympiastadion in Peking vereint nun sowohl moderne als auch traditionelle Komponenten in sich. Es hat eine Grundfläche von 258.000 m² und kann bis zu 91.000 Zuschauer in vier Etagen und 12 Bereichen in sich aufnehmen. Diese 12 Bereiche sind nach den 12 Jahrtieren Chinas benannt und jeweils mit einer Wiese außerhalb des Stadions verknüft, in der das jeweilige Tier abgebildet ist.
Beim Bau des Stadions wurden aber nicht nur die zahlreichen Zuschauer bedacht. Auch die Sportler sollen bestmöglich versorgt werden. Aus diesem Grund wurde beim Bau halb-durchsichtiges Material benutzt, um den Einfluss von Licht auf den Sportler zu reduzieren, wodurch die Architekten wieder vor eine logistische Herausforderung gestellt wurden.
Das Stadion und die angrenzenden Wiesen sind allerdings nur ein Teil einer großen Anlage, welche größtenteils gar nicht direkt sichtbar ist. Die Erde rings um das Stadion herum wurde um vier Meter erhöht, um viele zusätzliche Anlagen unter der Erde zu verstecken – eine weitere logistische Meisterleistung der Architekten, da sehr viele Einrichtungen auf geringem Raum angelegt wurden. Im Rahmen der neuen Bauwerke bleibt es allerdings nicht bei dem einmalig gestalteten Olympiastadion in Peking, denn unweit vom Olympiastadion wurde im Verlauf der letzten Jahre noch weitaus mehr Planungsaufwand betrieben.
Ein weiterer imposanter Teil der neuen Einrichtungen für die Olympischen Sommerspiele 2008 ist, neben dem Olympiastadion, das auch „Wasserwürfel“ genannte Schwimmstadion. Es steht auf einer 80.000 m² großen Grundfläche und fasst bis zu 17.000 Zuschauer. Es ist umgeben von dem sogenannten „Wasserschaum-Mantel“, welcher nicht nur schön aussieht, sondern auch Energie spart, indem er 90% des Sonnenlichtes hindurchlässt. Die Architekten dieses „Wasserschaum-Mantels“ preisen das Schwimmstadion als "international größtes Gebäude" dieser Art an. Ein weiterer Energiespar-Faktor der Schwimmstätte ist das 30.000 m² große Dach, auf dem Regenwasser eingesammelt und genutzt werden kann.
Eine weitere Besonderheit an diesem Bau ist, dass es - anders als das Olympiastadion, das anfangs 400 Mio. Euro kosten sollte - ausschließlich aus Spenden von Chinesen, die nicht mehr in China leben, finanziert wurde. Ende 2006 waren es bereits ca. 67 Mio. gespendete Euro von 100.000 Leuten.
Somit sollten die beiden Olympiastätten ursprünglich über 450 Mio Euro kosten. Durch den Verzicht des Daches konnten die Baukosten jedoch um fast die Hälfte verringert werden – ein enormer Wert. Der logistische Aufwand fing also in gewisser Weise schon bei der Bezahlung der Schwimmstätten an und gipfelte in der Fertigstellung zweier imposanter Sportstätten, das „Vogelnest“ und der „Wasserwürfel“, mit denen China um zwei großartige Bauwerke bereichert wurde.
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