Reise durch Peking als Olympische Disziplin
Eine humorvolle Tagesbegleitung durch Peking
Als Zuschauer vor dem heimischen Fernseher weiß man zwar die Leistungen der Sportler zu schätzen, doch dass vor allem die Besucher der Stadien einiges auf sich nehmen müssen, um bei dem Großereignis Olympia dabei sein zu können, bedenkt man oft gar nicht. Im Folgenden begleiten wir einen Fan, der die weite Reise von Deutschland bis ins ferne Peking antritt, um dort seine Sportidole bei den Olympischen Sommerspielen 2008 zu erleben. Nach ca. 7.500 Flugkilometern stellt bereits der Weg vom Flughafen zum Hotel durch die Infrastruktur Pekings den Olympia-Fan vor eine große Herausforderung. Ob mit Taxi, Bus, U-Bahn, oder zu Fuß: Alle Wege führen zu Olympia - oder doch nicht?
Nach der Landung am Flughafen in Peking ist es nicht schwierig ins Zentrum von Peking zu gelangen. Eine neu gebaute Zugstrecke bringt den Fan nach ca. einer halben Stunde Fahrt direkt in die Stadtmitte.
Doch der Weg zum gewählten Hotel erweist sich als problematisch. Nun stellt sich die Frage, ob man U-Bahn, Bus oder Taxi als Verkehrsmittel wählt oder es doch bevorzugt, sich zu Fuß durch Peking zu bewegen. Ein großer Vorteil ist es, wenn man sich auf der für das gewählte Verkehrsmittel richtigen Straßenseite befindet. Denn die Straße zu überqueren ist hier nicht so einfach wie man es aus dem heimischen Deutschland kennt. So etwas wie Verkehrsregeln scheint es in Peking nicht zu geben. Am besten tut man es den einheimischen Chinesen gleich und schätzt einfach ab, ob der herankommende Verkehr noch rechtzeitig bremsen kann, wenn man die Straße betritt. Die Autos bremsen und hupen zwar, aber das scheint dem Autofahrer in China schon in die Wiege gelegt zu sein. Zu Fuß dürfte es für Touristen bei all den chinesischen Verkehrszeichen schwierig sein, das Ziel zu erreichen. Auch wenn sich Pekings Infrastruktur mit 6.530 neu angebrachten zweisprachigen Schildern schon vorbildlich auf die Olympischen Spiele vorbereitet hat, so wird dies trotzdem nicht einfach. Der Weg zu Fuß ist also nicht gerade die sicherste und stressfreiste Möglichkeit zum Hotel zu gelangen – vor allem wenn man sich auf einer Fläche, die mit Thürigen zu vergleichen ist, bewegt.
Wie wäre es also mit Busfahren? Doch welche der ca. 800 Buslinien fährt nun zum Hotel? Aus München zum Beispiel, eine der größten deutschen Städte, ist man ja nur 67 Linien gewohnt. Auch wenn man nach langer Suche endlich den richtigen Bus gefunden hat, heißt das noch nicht, dass man schnell am Hotel ankommen wird. Der Bus muss sich nämlich erst an tausenden von über drei Millionen Autos in Peking vorbeischlängeln – und jeden Tag kommen 1.090 Autos mehr hinzu, also ca. 400.000 jährlich. Die Abwendung eines einzigen Verkehrschaos setzt die Logistiker Pekings vor immer größere Herausforderungen. Da wird man auf seiner Reise durch Peking sogar von Fahrradfahrern und tragischerweise manchmal sogar von Fußgängern überholt. Außerdem muss man sich auf einen stark überfüllten Bus einstellen, bei ca. 13 Millionen Fahrgästen täglich. Auch wenn eine Busfahrt umgerechnet nur zehn Cent kostet, ist sie also nicht gerade die schnellste und angenehmste Variante, sein Ziel zu erreichen.
Da denkt man sich doch: „Warum nicht Taxi fahren? Eines von über 67.000 Taxis finde ich bestimmt, der Fahrer kennt den Weg und bringt mich stressfrei zu meinem Ziel.“ Falsch gedacht! Schon beim Erklären, wo es denn hingehen soll, fängt der Stress an: Wie beschreibt man dem nur chinesisch sprechenden Taxi-Fahrer, wo man gerne hin will? Mit Gesten wird dies wohl kaum möglich sein, darum hat man am besten immer eine Visitenkarte des Hotels dabei. Vielleicht trifft man aber auch einen Taxi-Fahrer an, der ein wenig Englisch versteht, welches er in den extra für Olympia von der Stadt veranlassten Sprachkursen gelernt hat. Wenn man es endlich geschafft hat dem Taxi-Fahrer zu erklären, wo es hingehen soll, braucht man sich gar nicht auf eine gemütliche Reise zum Hotel freuen. Kaum kennt der Taxi-Fahrer das Ziel, geht die rasante Fahrt durch die Olympia-Stadt auch schon los. Während der Fahrt kann man sehen, wie der Taxi-Fahrer ständig eine Hand auf der Hupe hat, um frühzeitig auf sich aufmerksam zu machen. Überholmanöver nach James Bond-Manier durch den Gegenverkehr stehen quasi auf der Tagesordnung.
So extrem das Fahrverhalten der meisten Taxi-Fahrer ist, so normal ist ihr Aussehen. Taxi-Fahrerinnen dürfen sich während der Olympischen Sommerspiele 2008 zum Beispiel die Haare nicht in auffälligen Farben färben. Kleidung und Aussehen müssen viele Auflagen erfüllen, doch fahren darf scheinbar jeder wie er will und Sicherheitsgurte existieren oft auch nicht. Für das vorgetäuschte Gefühl der Sicherheit bezahlt man dann jedoch auch umgerechnet nur 16 Cent pro Kilometer. Ein Traum für jeden deutschen Taxi-Fahrgast. Für eine Strecke, die in Deutschland ca 15 Euro kostet, bezahlt man in Peking gerade einmal 1,60 Euro.
Ist man trotz stressiger Reise endlich – wie auch immer - an seinem Hotel angelangt und hat seine Koffer ausgepackt, geht es auch gleich schon wieder los. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass der Wettkampf, den man sich gerne ansehen möchte, bald anfängt und man sich schon wieder auf den Weg machen sollte. Zurück in das Straßen-Wirrwarr der Infrastruktur Pekings, zu den todesmutig fahrenden Taxi- und Autofahrern. Zurück in die Welt von 15,5 Millionen Einwohnern Pekings, für die diese große logistische Herausforderung, die Stadt sicher zu durchqueren, völlig normal ist.
Die Herausforderung „Straßenverkehr“ in Peking beginnt auf ein Neues, bis unser Fan nach seiner aufregenden Reise schließlich das Olympia-Gelände erreicht hat – mit Taxi, Bus oder zu Fuß - und seine Sportidole in einer der vielen großartigen Olympia-Sportstätten bewundern kann, die eigens für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking errichtet wurden.
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