Eröffnungsfeier von Olympia - die größte Show in Chinas Geschichte
Über drei Jahre lang reifte die Idee, bis am 08.08.2008 um 8:08 Uhr abends im Olympiastadion in Chinas Hauptstadt Peking die vielleicht spektakulärste Feier aller Zeiten stattfinden sollte - mit hunderttausenden Menschen vor Ort und Milliarden an den TV-Schirmen. Die Eröffnungsfeier von Olympia als größte Feier in Chinas Geschichte - und bei einem Land der Superlative, wie China, soll das schon etwas heißen.
In China scheint alles ein wenig größer: Das Land gehört zu den größten der Erde, China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde und allein die Hauptstadt Peking - zentraler Austragungsort von Olympia 2008 - beherbergt mehr Einwohner, als viele europäische Länder zusammen. Kein Wunder, dass die Chinesen auch die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2008 größer und besser machen wollten, als je zuvor in der Geschichte von Olympia. Der Medienrummel war vermutlich (auch auf Grund der politischen Situation Chinas) schon vorher größer, als bei anderen Olympischen Spielen der Vergangenheit und selbstredend durfte die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 dem in nichts nachstehen.
China schickte sich bereits früh an, die Eröffnungsfeier anderer Mega-Events, wie beispielsweise die der Fußball-Europameisterschaft 2008, mit einem Feuerwerk der Emotionen in den Schatten zu stellen. Eigens dafür wurden Experten aus aller Welt im Olympischen Organisationskomitee versammelt. Nachdem Hollywood-Legende Steven Spielberg seine Beratertätigkeit aus politischen Gründen niedergelegt hat, galt es neue Stars für die Planung der Zeremonie zu finden. In Star-Regisseur Zhang Yimou («Hero»), dem Bühnenshow-Architekten Mark Fisher, der für die Rolling Stones, Pink Floyd und U2 gearbeitet hat, sowie dem deutschen Multimedia-Künstler Andree Verleger hat man sicherlich mindestens gleichwertigen Ersatz gefunden. Andree Verleger, der als einziger Deutscher seinen Beitrag zur Eröffnungsfeier leisten durfte, war dafür fast 10 Male und rund 60 Tage vor Ort in Peking. Sein Team durfte er allerdings nicht mitnehmen, da die ehrgeizigen Chinesen für sich den Anspruch behaupteten, die logistisch unheimlich aufwändige Eröffnungsfeier von Olympia selbst zu schaffen.
Bei einem Spektakel wie Olympia in einem Land wie China sind Zahlenspiele, bei denen mit Millionen nur so jongliert wird, nahe liegend. Nicht nur in den Bau der Olympiastätten, wofür tausende Chinesen für hunderte Millionen Dollar zwangsumgesiedelt wurden, flossen über 300 Millionen Euro aus dem Portmonee des IOC, sondern auch für die Eröffnungsfeier. Das Spektakel, das sich über drei Jahre in Planung befand, sollte umgerechnet rund 205 Millionen Euro verschlingen. Ein Teil davon sollte sich im Himmel über Peking als gigantisches Feuerwerk auflösen, ein anderer Teil in die technische Ausstattung für die Zeremonie fließen und ein Teil wurde für die Arbeit der Mitwirkenden beiseite gelegt. Von denen hatte man in Peking nicht gerade wenig: Allein bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im Olympiastadion Peking, das auf den Spitznamen Vogelnest hört, wurden neben den 90.000 Zuschauern mindestens weitere 70.000 Menschen in die Organisation und Durchführung der Feier eingebunden.
Von China, den zehntausenden Hilfskräften und einem finanziellen Budget im dreistelligen Millionen-Bereich sollte man als Zuschauer aber einiges von den Organisatoren erwarten können, weshalb im Stadionrund viele Prominente erwartet wurden. Unter zahlreichen Staats- und Regierungschefs, Königen und Aristokraten war der scheidende US-Präsident George W. Bush mit seiner Familie der wohl bekannteste Zuschauer der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in China. Währenddessen es für ihn wahrscheinlich nach dem extravaganten dreieinhalbstündigen Spektakel mit dem Flugzeug vom während der Eröffnungsfeier gesperrten „Capital Airport“-Flughafen Pekings nach Hause ging, sollten gewöhnliche Zuschauer auf den öffentlichen Nahverkehr zurückgreifen. Um dem Besucheransturm der Eröffnungsfeier Herr zu werden, plante Peking für diesem Tag zu den bestehenden 48 Buslinien bereits frühzeitig weitere 28 Sonderlinien ein.
Eine Eröffnungsfeier von Olympia, die fast genauso viele Mitwirkende wie Zuschauer vor Ort hat und beinahe so viel kostet, wie das Stadion selbst und in einem riesigen Feuerwerk endet, kann nur spektakulär sein. Wahnwitziger wird das Ganze aber erst, wenn man überlegt, wie man all diese Menschen und Ereignisse am Abend des 8. August 2008 im Olympiastadion in Peking koordinieren konnte. Das IOC und China haben sich mit der Olympia-Eröffnungsfeier im Olympiastadion von China eine nur schwer umzusetzende Bürde auferlegt und die Welt hatte guten Grund gespannt sein, wie sie das meistern würden. Aber mit über 200 Millionen Euro lässt sich bei einer Eröffnungsfeier im Olympiastadion in etwas mehr als drei Stunden so einiges anstellen...
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