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Über die Logistik einer Fanmeile - Interview zum Public Viewing

Zehntausende Fans jubeln bei wichtigen Partien wie Fußball EM-Endrundenspielen, in den Stadien. Doch noch bedeutend mehr Menschen fiebern mit und verfolgen den Spielverlauf auf andere Weise: sei es im heimatlichen Wohnzimmer vor dem Fernseher, auf der Arbeit im Radio oder mit mehreren tausend anderen auf einer Fanmeile beim Public Viewing.


Damit man jedoch das Spiel genießen kann, müssen die Plätze vorbereitet werden. Im privaten Bereich ist dies in der Regel noch recht schnell erledigt: Zimmer durchsaugen bzw. Terasse fegen, Grillfleisch, Chips und Bier einkaufen, den Grill anwerfen und den Fernseher anschalten. Doch um den Massen auf der Fanmeile beim Public Viewing den Spielgenuss zu ermöglichen, erfordert bei der Fußball EM 2008 eine Menge mehr an Organisation.

Um mehr über diese Menge zu erfahren, führten wir ein Telefon-Interview mit Hans-Werner Rixe. Dieser ist Leiter der Abteilung Dortmund-Marketing der „Dortmund-Agentur“ und als solcher zuständig für die Organisation von Großveranstaltungen wie dem Public Viewing zu Bundesligaspielen und natürlich der Fußball WM 06.

Die Durchführung des Public Viewing, welches als Premiere für Deutschland angepriesen wurde, war laut Hans-Werner Rixe für die Stadt Dortmund „nichts vollkommen Neues“. Denn in Dortmund gibt es schon seit einigen Jahren die Tradition der Fan-Feste, die bei besonderen Spielen und Erfolgen der schwarz-gelben Dortmunder Borussia auf dem Friedensplatz veranstaltet werden. Somit konnte das Organisationsteam in Dortmund bereits auf eine gewisse Erfahrung mit verschiedenen Fan-Gruppen zurückgreifen.

Doch sogar die gesammelte Erfahrung des knapp 15köpfigen Organisationsteam konnte einen Punkt nicht voraussehen: die überragende Resonanz, die alle Erwartungen noch übertraf. Die Dortmunder Fan-Feste wurden von solchen Massen besucht, „dass wir im Verlauf der Fußball Weltmeisterschaft kurzfristig weitere Platzkapazitäten hinzufügen mussten“ erzählt Herr Rixe, im Nachhinein sichtlich entspannt.

Die ursprünglichen Planungen beliefen sich auf ein 32-Tage-Programm an Spielen, Musik und Veranstaltungen auf dem Friedensplatz, in den Westfalenhallen, der WM-Meile Hohe Straße und weiteren Plätzen. Zum Halbfinale Deutschland - Italien wurden dann der Südwall und zum Finale zusätzlich der Hansaplatz eingezogen. Um die Besucherzahlen beim Public Viewing einmal anschaulich darzustellen: Nach Schätzungen von Dortmunder Polizei und Feuerwehr, hatten allein die Veranstaltungen auf dem Friedensplatz insgesamt über 750.000 Besucher.

Daher ist es kein Wunder, dass die Organisatoren quasi rund um die Uhr im Einsatz waren und nach der WM „sicherlich über 150 Überstunden“ angesammelt hatten. Zumal die strengen Vorgaben und Richtlinien die Aufgabe sicherlich nicht gerade vereinfachten, so war das Public Viewing wegen der Werberechte zuerst auf bestimmte Plätze begrenzt. Nach der Erlaubnis der Ausweitung, beschreibt Hans-Werner Rixe, „mussten wir dann innerhalb von nur vier Tagen Material aus halb Europa organisieren“, damit jeder Interessierte in den Genuss der Finalspiele der Fußball WM kommen konnte.

Hans-Werner Rixe hebt an dieser Stelle vor allem die Teilnahme der  Dortmunder Bevölkerung hervor: (Anmerk. der Redaktion: Da Herr Rixe die Leistung des Organisationteams stets bescheiden herunterspielt, soll diese an dieser Stelle ausdrücklich von uns hervorgehoben werden.)
„Die Dortmunder waren unglaublich flexibel. Da wurden auch eigene spontane Lösungen gefunden und der Fernseher aus dem Wohnzimmer einfach auf die Straße gestellt.“ So entsteht Public Viewing auch im kleinen privaten Rahmen und transportiert die Begeisterung und Freude direkt in die Herzen der Besucher.

Eine solche Begeisterung bleibt dann auch in Erinnerung und entschädigt wahrscheinlich auch die angesprochenen Überstunden. Hans-Werner Rixe und das gesamte Organisationsteam dürfen stolz auf die gelungene Durchführung der Veranstaltungen sein und man hört ihm buchstäblich an, dass er sich gerne an das „Sommermärchen“ erinnert. Lange verweilen darf er jedoch nicht, schließlich „steht für uns als Organisatoren schon das nächste Großereignis auf dem Plan“ - die Fußball EM 2008 in Österreich und der Schweiz. Denn die wird Dortmund erneut auf dem Friedensplatz beim Public Viewing erleben - und Hans-Werner Rixe und sein Team werden wohl erneut Überstunden einlegen, um den Fans beim Public Viewing eine unvergessliche Zeit zu bereiten.

 

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