Das Spektakel zu Beginn: die Eröffnungszeremonie
Bei jedem großen Turnier vom Format einer Fußball Europameisterschaft, Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele gehen wenige Stunden vor dem offiziellen Wettkampf-Beginn eindrucksvolle Bilder um die Welt. Es sind Bilder von bunten Kostümen, musikalischen Auftritten und Tanz-Choreographien, vielen Lichtern, Feuerwerk und mit Tradition gespickt. Es sind Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Auch im Sommer 2008 eröffnete die UEFA den Turnierbetrieb der Europameisterschaft im St. Jakob-Park in Basel mit einem bunten Fest. Die Rede ist von der EM-Eröffnungszeremonie.
Da bei der Eröffnungszeremonie und dem anschließenden Eröffnungsspiel der Europameisterschaft erwartungsgemäß ähnlich viele Zuschauer weltweit vor den Fernsehschirmen sitzen, wie später beim Finale, ist eine gut geplante, bombastische Show für ein Turnier mit so starker medialer Wirkung enorm wichtig. Damit alles nach Plan laufen konnte, konzipierte die französische Eventagentur Auditoire bereits frühzeitig einen Ablaufplan für die Eröffnungszeremonie (und die Schlussfeier) der EM 2008. Dabei setzte man auf die Erfahrungen, die man mit vergangenen Turnieren gesammelt hat. Der künstlerische Direktor des Projekts, Martin Arnaud, setzte bereits die Eröffnung der Fußball Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich in Szene und setzte sich zum Ziel, auch den St. Jakob-Park in Basel in ein Tollhaus zu verwandeln. Erfahrung und frühzeitige Planung sind also auch bei einer Eröffnungszeremonie der Schlüssel zum Erfolg.
Wenngleich die Eröffnungszeremonie selbst nur auf die Dauer von gerade einmal 13 Minuten angesetzt wurde, wurde den Organisatoren doch einiges abverlangt, um das Millionen-Publikum in aller Welt zu beeindrucken. Stolze 800 schweizerische und österreichische Turner und Turnerinnen sind für die Zeremonie aufgeboten worden. So viele Menschen zur gleichen Zeit unter der Aufsicht von vielen Millionen Menschen in einem Fußballstadion zu koordinieren, grenzt an ein logistisches Wunder.
Denkt man an dieser Stelle hinsichtlich der zahlenmäßigen Dimensionen an mitarbeitenden Menschen bei der Eröffnungszeremonie ein wenig weiter, wird schnell deutlich, wie komplex eine solche Veranstaltung ist. Es gilt 800 Turner auf dem Platz, hunderte Ordner und Sicherheitskräfte im und um das Stadion, hunderte Journalisten aus aller Welt und viele tausend Fans aufeinander abzustimmen - zeitlich und räumlich zugleich. In einem knapp 40.000 Zuschauer fassenden Stadion eine echte Herausforderung, wenn man Chaos vermeiden möchte.
Doch bei der Koordination Menschen im Stadion bleibt es nicht. Gerade im Zeitalter des Fernsehens und des Internets gilt es, nicht nur die Zuschauer vor Ort im Stadion mit einer großartigen Show zu beeindrucken, sondern auch die TV- und Internetstream-Zuschauer. Das Fernsehen und Internet muss natürlich mit Live-Bildern versorgt werden, überall versuchen Fotografen das Bild der Eröffnungszeremonie zu schießen und Reporter das Interview des Tages zu bekommen. Eindrucksvoll: Dies passiert für gewöhnlich nach Abpfiff der Spiele im Stadion, doch bei der Eröffnungszeremonie geschieht all das oben genannte schon vor dem Anpfiff.
Sämtliche Aufräum-Arbeiten müssen innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen werden, um beispielsweise der Aufgabe eines Fußball EM-Eröffnungsspiels standhalten zu können. An diesem Tag müssen die Veranstalter innerhalb weniger Minuten von einem Mega-Event (Eröffnungszeremonie) nahtlos ins nächste Mega-Event (Eröffnungsspiel) übergehen - zwei Veranstaltungen, die kaum mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen könnten. Zwei Veranstaltungen, die für sich allein schon unbeschreibliche logistische Meisterleistungen sind.
Das Einzige, was noch größer ist, als die Eröffnungszeremonie einer Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft, ist die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele. Beeindruckend ist hierbei die Koordination der Ereignisse, denn der Einlauf der rund 10.500 Olympioniken aller Länder und der monatelang andauernde Fackellauf müssen ungefähr zur gleichen Zeit abgeschlossen werden.
Diese zwei Beispiele, Eröffnung der Europameisterschaft und der Olympischen Spiele, sind nicht nur in ihrer Wertigkeit viel größer, als ein einfaches Fußballspiel, sondern auch im Planungsumfang. Bei Olympia muss der Fackellauf mit dem Einlaufen der Athleten genau abgestimmt werden, bei einer Europameisterschaft schließt ein Mega-Event ohne Pause direkt an das Nächste an.
Eine Eröffnungszeremonie ist mehr, als nur ein Fest, das rund einen Monat ununterbrochen weitere Feste einleitet. Eine Eröffnungszeremonie ist die Bewährungsprobe für die logistischen Herausforderungen, die sich nun über viele Wochen hinweg entwickeln werden.
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